Graspapier – Geignet für nachhaltige Verpackungen?

Über 400 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe werden weltweit jährlich produziert. Für die Herstellung der dafür benötigten Papierfasern ist ein großer Aufwand notwendig: Die Abholzung großer Waldflächen, weite Wegstrecken bis zur Papierfabrik und eine intensive chemische Vorbehandlung des Rohstoffs Holz um nur einige Punkte zu nennen. Kaum verwunderlich also, dass bereits seit einigen Jahren intensiv nach Alternativen gesucht wird. Eine davon: Graspapier, bzw. Verpackungslösungen mit einem bis zu 50 Prozentigen Grasanteil.

Die wichtigsten Fragen zu der noch recht jungen Alternative Graspapier beantworten wir in diesem Artikel. Nachfolgende Informationen bieten Ihnen eine Entscheidungsgrundlage, ob sich Graspapier für Ihre Anwendungszwecke eignet.

Was ist Graspapier?

Papier kann grundsätzlich aus unterschiedlichsten Fasern hergestellt werden. Der Erfinder des Papiers, der Chinese Ts’ai Lun, nutzte vor über 1900 Jahren (105. n. Christus) hauptsächlich Seidenabfälle, Hanf und alte Lumpen. Heutzutage wird Papier zum Großteil aus dem Rohstoff Holz hergestellt. 

Seit 2015 wird eine weitere Naturfaser für die industrielle Papierproduktion genutzt: Gras. Graspapier enthält anders als herkömmliches Papier auf Holzbasis einen Anteil von bis zu 50% an Gras. Diese Entwicklung hat Uwe D’Agnone maßgeblich vorangetrieben. Er gilt als Erfinder des Graspapiers.

Wie entsteht Graspapier?

Die Zielsetzung bei der Entwicklung des Graspapier war es, Papier nachhaltiger zu produzieren. D.h. mit weniger Einsatz an Energie, Wasser und Chemie. Für die Entwicklung des ersten Produktes benötigte der Visionär und Erfinder Uwe D’Agnone gut 2 Jahre. Inzwischen arbeiten alleine in Deutschland 12 Papierfabriken mit seinem Unternehmen zusammen.

Traktor mäht Wiese für die Produktion von Graspapier
Vor der Verarbeitung wird das Gras zunächst gemäht / Bild von Elsemargriet auf Pixabay

Herstellungsprozess von Graspapier

  1. Die benötigten Fasern werden aus getrocknetem Gras gewonnen
  2. Das verwendete Gras stammt aus Ausgleichsflächen, zum Beispiel Flächen die beim Bau von Straßen als Ausgleich geschaffen werden müssen
  3. Zunächst wird das Gras geerntet, getrocknet und gereinigt und anschließend zugeschnitten und gemahlen
  4. Im nächsten Arbeitsschritt wird es zu Pellets gepresst
  5. Dann erfolgt der Transport zu nahegelegenen Papierfabrik zur Weiterverarbeitung
  6. Die Verarbeitung erfolgt genau wie bei Holzfasern

Gut zu Wissen:

Bei der Produktion von Graspapier sind, anders als bei der Gewinnung von Holzfasern, keine chemischen Stoffe notwendig. Grund hierfür ist der geringere Anteil an Lignin. Bei Holz ist dieser viel höher und muss bei der Produktion zunächst aufwendig herausgelöst werden. Da Gras flachwachsend ist, enthält es wesentlich weniger Lignin. Der Zellstoff kann so viel einfacher gewonnen werden.

Für das finale Produkt ist es nach wie vor notwendig klassische Holzfasern hinzufügen. Sie dienen der Stabilität. Hierfür werden Frisch- oder Recyclingfasern mit den Grasfasern vermischt. Aktuell möglich ist eine Anteil von bis zu 50%.
Unsere Faltkartons der Marke linio verda enthalten beispielsweise 30% Grasanteil.

Warum Graspapier?

Papier und Verpackungslösungen mit einem Anteil an Gras haben viele positive Eigenschaften. Hervorzuheben ist dabei besonders der ökologische Faktor.

Die Vorteile von Graspapier im Überblick:

  • Einsparung von 97% der benötigten Energie bei der Herstellung
  • 6.000 Liter weniger Wasser werden für jede Palette Zellstoff benötigt
  • CO2-Eintrag um 75% niedriger als bei der Herstellung aus Holz
  • Keine allergische Reaktion
  • Keinerlei Einschränkung beim Druck
  • Zugelassen und zertifiziert für den Lebensmittelbereich

Gibt es auch Nachteile?

  • Je nach Einsatzbereich hat es etwas schwächere Festigkeitswerte
  • Aktuell ist maximal ein Grasanteil von 50% möglich

Wie nachhaltig ist Graspapier?

Aufgrund seiner positiven Eigenschaften hinsichtlich der Weiterverarbeitung, punkten Verpackungen und Papier mit Grasanteil vor allem in Sachen Nachhaltigkeit.

  • Regionale Produktion und Weiterverarbeitung: Das bedeutet kurze Transportwege
  • Nutzung von Ausgleichsflächen: Kein separater Anbau notwendig
  • Schnell nachwachsender Rohstoff: Mähen ist mehrmals im Jahr möglich
  • Produktion benötigt weniger Wasser und Energie als die Gewinnung von Holzfasern
  • Kein Einsatz von Chemie bei der Papierfaserherstellung: Die Umwelt wird geschont

Wofür eignet sich Graspapier?

Papier dem Gras beigefügt wurde lässt sich vielseitig einsetzen. So verwenden große Supermarktketten die Alternative zum herkömmlichen Papier bereits für möglichst umweltfreundliche und nachhaltige Produktverpackungen. Bei REWE und Penny sind beispielsweise bereits mehrere Millionen Obst- und Gemüseschalen für den Biobereich im Einsatz. Einer der ersten Kunden von Erfinder Uwe D’Agnone war der OTTO-Versand, welcher Schuhkartons aus dem Material produziert hat.

In unserem Online-Shop bieten wie beispielsweise Faltkartons und Versandschachteln sowie Graspapieretiketten und Papiertragetaschen mit Grasanteil an.

Faltkartons mit Grasanteil von linio verda
Graspapier eignet sich hervorragend für Faltkartons

Wie lässt sich Graspapier entsorgen?

Auch bei der Entsorgung punkten Produkte mit Grasanteil. Die Papiere und Verpackungen sind zu 100% recyclingfähig. Sie können zum Altpapier gegeben werden und bleiben so dem Stoffkreislauf erhalten. Grasfasern können wieder aufbereitet werden – auf die gleiche Weise  wie Holzfasern aus konventioneller Papierproduktion. Darüber hinaus: Graspapier ist sogar kompostierbar.

Weiterführende Links:

Wikipedia: Weitere Informationen zu Papier und Graspapier im Speziellen

Printintelligent: Interview mit dem Erfinder des Graspapiers Uwe D’Agnone

Titelbild von Jörg Peter auf Pixabay

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top